Gleichschaltung bis in die Dörfer

In den kommenden Jahren machte der MTV Wassel Reklame für sein sportliches Angebot. Bis zum Beginn des Jahres 1933 wurde das Vereinsleben durch Schauturnen und Turnfeste belebt und der Öffentlichkeit nahegebracht. Dabei arbeitete man auch mit der gerade ins Leben gerufenen Feuerwehrkapelle Wassel zusammen. Die traditionellen Versammlungen fanden nicht mehr wie gewohnt monatlich statt, sondern wurden nur noch einmal im Vierteljahr abgehalten. Beschlossen wurde auch, am Volkstrauertag in die Kirche zu gehen.

Die Versammlungsergebnisse des MTV Wassel sind bis zum 17.02.1934 protokolliert. Dann wurden die ersten Folgen der Gleichschaltung deutlich. So wurde der vorerst letzte Vorsitzende, Heinrich Busche (Nr. 5) nicht gewählt, sondern bestimmt. Ein anderes Beispiel dafür ist eine schriftliche Mitteilung des Gebietsführers des Turngaues Burgdorf-Lehrte vom 14.02.1934. Darin wies er darauf hin, dass der Turnlehrer Hermann Ohlendorf aus Burgdorf wegen politischer Unzuverlässigkeit vom Turnen ausgeschlossen ist. Von nun an begann die NS-Politisierung des Turnens, und die Teilnahme am Sport und Wettkampf wurde zur Pflicht. Jugendliche hatten das Leistungsabzeichen und Männer das Wehrsportabzeichen zu erwerben. Ganze Vereine wurden von der Turnerschaft in die SA überführt, mussten Uniform tragen und am Dienst auch auswärts teilnehmen.

Dass dies auch zu Auswüchsen ganz besonderer Art führte, ist bekannt. Es soll Geistliche gegeben haben, die sich vor dem Gottesdienst den Talar über die braune Uniform zogen. Über das Wie und Wo der MTV Wassel das "tausendjährige Reich" überlebt hat, sind keine Unterlagen aufzufinden. Dies ist verständlich, denn unsere Befreier gingen auch nicht gerade zimperlich mit denjenigen um, bei denen sie NS-Unterlagen vermuteten oder gar fanden.

Die Verluste des Vereins durch den zweiten Weltkrieg waren noch höher als die des ersten. Schon allein das wäre ein Grund mehr aus diesem Geschichtsabschnitt von Zeitzeugen zu erfahren. Heute - mehr als 50 Jahre nach Kriegsende - können wir als jüngere Generation eines Sportvereins diese Aufgabe aber kaum noch bewältigen. Deshalb haben wir uns darauf beschränkt, dieses Kapitel nur anzureißen.

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