Die Kasse geht verloren

Im Sommer 1913 ging nach der einmaligen Aufnahme von acht neuen Mitgliedern dann offensichtlich bei einem Kassenbestand von 218,95 Mark das gesamte Geld verloren. Ohne zwischenzeitliche Aufzeichnungen im Protokollbuch beginnt die Kasse im Herbst des gleichen Jahres mit neuem Kassierer und 10 Pfennig ein neues Leben. Nachdem der Präsident und die anderen Vorstandsmitglieder benannt waren, konnte man wieder kräftig feiern. Pfiffiger Weise hatte man sich den Gastwirt Schrader nicht nur zum Präsidenten auserkoren, er trug auch die für ein anberaumtes Tanzvergnügen entstehenden Kosten selbst und überließ dem Verein den Überschuss. Damals waren Strafgelder ein wichtiger Punkt der Mitgliederversammlungen. So wurden auf der Hauptversammlung des Jahres 1914 folgende Strafsätze beschlossen:

1. unentschuldigtes Fehlen 0,50 Mark
2. Zuspätkommen 0,25 Mark
3. ungebührliches Benehmen 1,00 Mark

Im Sommer 1914 endete zunächst das Vereinsleben mit dem Eintritt Deutschlands in den ersten Weltkrieg. Mitglieder des MTV Wassel mussten einen erheblichen Blutzoll zahlen. Erst zu Beginn des Jahres 1919 wurde der Sportverein wieder mit 38 Mitgliedern tätig. Im Amt blieb der Vorstand, der bis zum August 1914 residiert hatte.

Das Jubiläumsfest zum 25jährigen Bestehen des Vereins im Sommer 1922 wurde zu einem vollen Erfolg. Sehr respektvoll ging man übrigens mit den Gründungsmitgliedern um, die anlässlich des Jubiläums im Festwagen gefahren wurden. Dank eines Zuschusses in Höhe von 4.000 Mark, den Gastwirt und Präsident Heinrich Schrader zu zahlen hatte, wurde ein Überschuss in Höhe von 1.132,95 Mark erzielt. Diese Beträge zeigen aber auch, dass die Inflation bereits zum Aufgalopp ansetzte. Auch deswegen war es nötig, in der Hauptversammlung im Oktober 1922 die Strafgelder um das Zehnfache zu erhöhen. Zum Höhepunkt der Inflation war es dann gerade möglich, bei einem Kassenbestand von 3.057,35 Mark eine Kiste Zigarren zum Preise von damals 3.000 Mark zu erstehen. Am 13. Februar 1924 wurde das Vereinsvermögen von 908 Mark auf 9 Reichsmark abgewertet. Eine ordnungsgemäße Kassenführung war erst wieder zu Beginn des Jahres 1925 möglich.

Zum 30jährigen Bestehen des Vereins sah es schon wieder viel besser aus. Dieses Jubiläum feierte man am 13.11.1927 mit einem Ball, bei dem alle Jubilare des Vereins ein Ehrengeschenk erhielten. Von dem beim Ball erzielten Überschuss wurden eine Gedenktafel für die gefallenen Vereinsmitglieder sowie Schärpen und Banner angeschafft. Der MTV Wassel beteiligte sich von nun an wieder an Veranstaltungen auswärtiger Vereine.

Im Sommer 1928, 31 Jahre nach der Gründung, wird erstmals von einem Sportunfall berichtet. Der "Turnbruder Klünder war vom Reck gestürzt und hatte sich den Arm gebrochen". Der Unfall wurde gemeldet und die Versicherung übernahm einen Teil der Kosten. Für Besonderheiten war in Wassel schon immer Platz. In der Hauptversammlung des gleichen Jahres wird „Karl Henze zum Theaterdirektor ernannt, weil er das Herbstvergnügen mit einem Theaterstück verschönern will". Im Protokoll ist außerdem vermerkt, dass an den Turnbruder Hennies, der in Südwestafrika weilt, eine Karte geschrieben wird.

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